Im Interview: Michael Donth, Bundestagsabgeordneter (CDU)

In Zeiten wie diesen ist es umso wichtiger mit der Politik ins Gespräch zu gehen. Nicht nur, um seine Sorgen und Nöte durch die Coronakrise zu besprechen, sondern auch um Lösungsansätze, die zur Rettung der gesamten Busbranche führen, zu diskutieren.
Aus diesem Grund hat Julien Figur, CEO von Hanse Mondial, ein Interview mit Michael Donth (CDU), Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Reutlingen, geführt. Es geht u.a. um die Auswirkungen des Coronavirus auf die derzeitige Mobilität und unser Reiseverhalten, aber auch um die eventuellen Chancen, die sich daraus ergeben.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

Sehen Sie die Reisebusbranche als eine Unterstützung der Mobilitätswende?

Michael Donth: Den Begriff „Wende“ benutze ich in dem Zusammenhang ungern. Das hieße ja, dass alles, was wir seither getan haben in die falsche Richtung gegangen wäre und wir nun umkehren müssten. Aber ja, in Ihrem Sinne gehört für mich die Reisebusbranche zu einer modernen und zukunftsfähigen Mobilität. In der Frage, wie wir uns klimafreundlicher fortbewegen können, haben wir in dieser, aber auch den Legislaturperioden zuvor viel getan: Von emissionsärmeren PKW und Bussen bis zum Ausbau von ÖPNV und Schienenlogistik. Die Investitionen in die Forschung und Entwicklung erlauben uns nun auch den Einsatz neuer Antriebsformen, was ich sehr begrüße.
Auch die Reisebusbranche hat nicht plötzlich den Umweltfaktor der Mobilität entdeckt, sondern setzt seit jeher auf immer neue, komfortable und energieeffiziente Busse mit einer oft hervorragenden Auslastung. Die Liberalisierung des Fernbusmarktes 2013 hat zudem weitere Chancen der Branche bei der komfortablen und umweltfreundlichen Alternative zum Individualverkehr, auch in ländlichen Räumen offenbart. Gerade die Busbranche zeigt, dass wir derzeit keine Wende in der Mobilität erleben. Diese Weiterentwicklung steckt vielmehr in der DNA der Reisebusse.

Werden wir in Deutschland dieses Jahr überhaupt noch verreisen?

Michael Donth: Davon bin ich überzeugt. Auch wenn es eher Ostsee statt Adria oder eher der Urlaub auf dem Bauernhof als im Hotel in Ägypten sein werden.

Ist die Urlaubsreise zu deutschen Urlaubsorten eine relevante Alternative?

Michael Donth: Selbstverständlich! Das war es auch schon vor Corona. Deutschland als Urlaubsland ist in den letzten Jahren im In- und Ausland immer beliebter geworden. Das verdanken wir auch den vielen Unternehmern, Gastronomen und Hoteliers, die hier kräftig investiert haben. Ich glaube, das viele, die einen Urlaub im eigenen Land bisher nicht in Betracht gezogen haben, überrascht sein werden, was wir hier zu bieten haben. In unseren Städten genauso wie auf dem Land.

Gibt es bereits konkrete, finanzielle Maßnahmen, um die deutsche Busbranche zu retten / zu unterstützen?

Michael Donth: Wir haben schon etliche Maßnahmen ergriffen. Dazu gehören die Rettungspakete von Bund und Ländern für alle Wirtschaftsunternehmen, Kredite mit einer Absicherung des Bundes von bis zu 100% und Soforthilfen. Dazu gehören die in Abstimmung mit den Ländern fortgeführten Ausschüttungen von Regionalisierungsmitteln des Bundes, um Fixkosten im ÖPNV zu decken.
Wir arbeiten weiter mit Hochdruck an einer Lösung für die Abfederung der gesetzlich notwendigen Pauschalreise-Anzahlungen.
Aber wir befinden uns in einer nie dagewesenen und sich dynamisch entwickelnden Lage. Je nach Dauer und je nach „Exit-Strategie“ halte ich auch weitere Unterstützungspakete für die Busbranche – gerade für kleine und mittlere Unternehmen, die oft in langer Familientradition geführt werden –  für notwendig. Das sage ich auch immer wieder deutlich, in der Öffentlichkeit wie auch in Gesprächen mit dem Verkehrsminister. Wie diese Unterstützung aussehen muss, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Wann werden touristische Busreisen aus Ihrer Sicht wieder möglich sein (In- und Ausland)?

Michael Donth: Das müssen die Experten entscheiden, die die Ausbreitung des Virus im Blick haben. Wir haben in den letzten Wochen beobachten können, z.B in den Debatten um die sogenannte „Reproduktionszahl“, dass es derzeit keine eindeutige Tendenz auf fundierter Basis geben kann, ob und wann wir in welcher Form wieder über touristische Busreisen sprechen können.
Den touristischen Ausflug wie er oft gebucht wird, mit 50 Menschen einer älteren Risikogruppe im selben Bus, wird es nach meiner Einschätzung noch eine ganze Weile nicht geben können.

Gibt es bereits einen konkreten Strategieplan für Reisebusunternehmen, welcher besagt wann und in welcher Form Busreisen wieder möglich sein werden?

Michael Donth: Nein. Zumindest noch nicht ausreichend konkret für Busunternehmen, die sich darauf vorbereiten wollen. Busreisen müssen sich auch für den Unternehmer lohnen. Daher muss die Bundesregierung, auch wenn derzeit keine konkreten Daten genannt werden können, zumindest Kriterien für eine Wiederaufnahme formulieren. Abstandsgebote wie sie derzeit gelten, könnten die Auslastung eines Reisebusses auf 30% beschränken. Das alleine bringt keinem etwas.

Warum werden Reisebusse nicht verstärkt im Schulbusverkehr zur Unterstützung des ÖPNV eingesetzt?

Michael Donth: Gerade aus den eben genannten Gründen könnte dies eine sinnvolle Lösung sein. Vielerorts, beispielsweise bei uns auf der Schwäbischen Alb, wird das übrigens seit jeher so gehandhabt. Ob die Schulen in diesem Schuljahr überhaupt ihre Kapazitäten wieder so weit hochfahren werden, dass sich das lohnt, kann man derzeit aber ebenfalls noch nicht absehen.

Inwiefern wird sich die Mobilität durch Corona verändern?

Michael Donth: Das hängt maßgeblich an den Menschen selbst und wie die Kontaktbeschränkungen eingehalten werden bzw. Wirkung zeigen. Je schneller wir wieder unter Auflagen, aber dafür mit einem überschaubaren Risiko, Mobilität möglich machen, desto mehr Mobilitätsdienstleistern helfen wir, die Krise zu überstehen. Fakt ist, dass wir weder auf der Straße, noch auf der Schiene die Kapazität haben, um den Einbruch eines gesamten Verkehrssektors, sei es im Bus- oder im Luftverkehr, zu kompensieren. Der Individualverkehr mit dem PKW gewinnt, nicht zuletzt aufgrund der krisenbedingt niedrigen Kraftstoffpreise und der Kontaktvermeidung mit anderen, gerade an Attraktivität. Wenn Straßen und Parkplätze aber wieder voll sind und durch die steigende Nachfrage das Tanken wieder teuer wird, wird das nicht lange halten. Hinzu kommt die in der Krise vielfach praktizierte digitalere Arbeitsweise, das Homeoffice. Ich bin mir sicher, dass diese Erfahrungen den Anteil dieser Form des Arbeitens auch nach der Krise einen höheren Anteil einnehmen wird, als vorher.

Sehen Sie die derzeitige Krise als Chance für die Mobilität an?

Michael Donth: Im Moment sehe ich in der Pandemie eher Risiken als eine Chance für die Mobilität. Und nach meiner Einschätzung für Fernreisen stärker als für innerdeutsche oder europäische Reisen.
Ich hoffe aber, dass die derzeit steigende Wertschätzung der Menschen für bisher für selbstverständlich gehaltene Dinge wie eine nahezu uneingeschränkte Mobilität, dank zahlreicher und facettenreicher Angebote, anhalten wird. Viele in unserem Land erkennen erst jetzt, was für ein großer Kraftakt hinter all diesen Dingen steckt. Wenn aus dieser Wertschätzung die Bereitschaft erwächst, sich als Kunde auch entsprechend finanziell an diesem Kraftakt zu beteiligen, haben wir vielleicht etwas Gutes nach dieser Pandemie erreicht.

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